Eigentlich hätten wir in diesem Monat groß feiern können, denn die Abtl. Handball der SKG Roßdorf feiert am 17.Februar 2021 ihr 50-jähriges Jubiläum seit der Wiedergründung 1971.Doch die derzeitige Situation lässt dies leider nicht zu, wie so vieles anderes. Das heißt aber nicht, dass wir das Jubiläum nicht nachholen werden – wir haben ja noch ein Jahr Zeit dazu. Was ist denn in den letzten 50 Jahren so alles passiert? Unser Chronist Klaus „Schollo“ Schollenberger hat die wichtigsten Daten seit 1971 zusammengetragen, die wir auch in einem Artikel unseres letzten Saisonheftes abgedruckt haben:

Ab 1926 spielten die Roßdörfer Handballer die populäre Sportart Feldhandball. Ende der 50er Jahre wurde diese Sportart von der schnellen, kampfbetonten und trickreichen Sportart Hallenhandball abgelöst. Dass dieser Wechsel, vom Feld in die Halle, eine zukunftsorientierte Entscheidung war, wurde durch die ständig steigenden Zuschauerzahlen bestätigt.
1958 absolvierten die Roßdörfer Feldhandballer ihre letzte Spielrunde. Für die damaligen Spieler (Braun, Bukatsch, Etzold, Hechler, Hengster, Keßler, Kiffe, Runge, Serba, Träxler und Wohletz) endete ihre Feldhandballkarriere.
Ein Umstieg zu der Spielart Hallenhandball scheiterte an fehlenden Sporthallen in Roßdorf und Umgebung. Ein Jahrzehnt später haben sich die Spielmöglichkeiten in Hallen wesentlich verbessert. Das größte Objekt im Umkreis, die Böllenfalltor Halle in Darmstadt, wurde 1965 eingeweiht.
Der Beginn der Roßdörfer Hallenhandball-Ära!
Am 11. Februar 1971 erschien im Roßdörfer Mitteilungsblatt ein Aufruf, initiiert von Günther Kreisel, Manfred Pfeiffer und Bernd Witzel, dass sich Handballinteressierte am 17.02.1971 im Gasthaus „Zum Sportplatz“ treffen. Neben dem Trio saß noch Klaus Schollenberger am Tisch. Der Grundstein wurde gelegt und die Taten folgten.

11.03.1971: Treffen zur Gründung einer Handball-IG.
13.03.1971: erstes Training auf dem Schulhof der Rehbergschule.
23.04.1971: 1. Spiel beim TV Groß Zimmern, dem Heimatverein von Günther Kreisel. Spielergebnis 16:11(4:6). Es spielten: Meier (TW), Kreisel (3), Neugebauer (3), Pfeiffer (3), Körner (1), Schollenberger (1), Emig, Keßler, Ross und Schmidt.
Anschließend fand noch ein Mix-Trainingsspiel statt. Mitglieder der parallel gegründeten Jugendmannschaft: Koch (TW), Enzmann, Gantzert, Gerstenberg, Lebherz, Metzen und Teska gaben ihren Einstand.

29.04.1971: Hauptversammlung und Aufnahme in die SKG Roßdorf als Untergruppe der Abt. Turnen und Leichtathletik. Gewählt wurden: Interessenvertreter Bernd Witzel, Schriftführer, Pressewart und Kassenwart Klaus Schollenberger, Beisitzer Klaus Lebherz, Günther Kreisel, Manfred Pfeiffer und Lutz Ewald, Materialwarte Peter und Walter Keßler, Kassenprüfer Heinz Hoß und Jakob Träxler, Trainer Günther Kreisel und Erich Neugebauer.

03.09.1971: Gründung einer Damenmannschaft. Ein weiterer Meilenstein aus der Gründerzeit begann im Frühjahr 1972. Mit Unterstützung der Gemeinde Roßdorf wurde auf dem Sportplatz am Schwimmbad ein Kleinfeld mit den Maßen 20m*40m (siehe Luftbild rechts) angelegt. Mit einem Kleinfeldturnier (Aktive und Jugend) wurde dieser Platz am 28.05.1972 eingeweiht.
Zu Schiedsrichterlehrgängen wurden gemeldet: Gerhard Hirscher, Volker Koch, Wilfried Metzen und Norbert Schmidt. Turniereinladungen erhielten wir von Momart und Wallbach. Mit Blutspenden wurde der Kauf der Trikots finanziert. Die Mannschaftsmitglieder fuhren zur Blutbank zur Uni nach Mainz. Pro Blutspende wurden DM 52,- gezahlt.

01.01.1973: Aufnahme der Handballer als selbständige Abteilung in der SKG Roßdorf. 06.04.1973: Das Sahnehäubchen aus der Gründerzeit für die Handballer war der Bau der Mehrzweckhalle (heute Rehberghalle) durch die Gemeinde Roßdorf. Sie wurde von Bürgermeister Heinrich Kloß (Amtszeit von 1954-1982) eingeweiht. Ein Glücksfall: Zur rechten Zeit war die Einweihung des Bürgerhauses mit Mehrzweckhalle in Gundernhausen am 09.07.1971. Der damalige Bürgermeister von Gundernhausen, Gerhard Dittrich, hatte ein offenes Ohr für unser Anliegen. Wir erhielten ab September 1971 montags und donnerstags Hallenzeiten. Für dieses Entgegenkommen bedanken wir uns noch heute. Somit konnten wir zwei Aktive- und eine Jugendmannschaft für die Hallenrunde 1971/72 melden. Unsere kompletten Verbandsspiele wurden in der Adolf-Reichwein-Schulsporthalle in Langen durchgeführt. Die erste Mannschaft wurde Meister und stieg in eine höhere Liga auf.

09.-13.04.1973: Die beiden SKG Abteilungen Basketball und Handball sowie die Ringer vom KSV 04 Roßdorf organisierten eine Sportwerbewoche. Zwei Aktive und eine Jugendmannschaft spielten in dieser Werbewoche gegen den höherklassigen Nachbarverein TSV Modau. Mit dieser Halle vor Ort – unsere Heimspiele mussten nicht mehr auswärts ausgetragen werden – wurde der Grundstein für die stetige, weitere Entwicklung der Roßdörfer Handballer gelegt. Da die Spielfeldgröße der Rehberghalle nicht das internationale Maß von 20*40 Meter erfüllte, waren wir ab der Saison 1978/79 auf der Suche nach einer entsprechenden Sporthalle. Hierbei hat uns der Landkreis DA-DI geholfen. Alle Heimspiele durften wir in der Sporthalle der Pfaffenberg- Schule in Nieder-Ramstadt austragen.

10.04.1979: Spatenstich für die Justin-Wagner- Schule (Einweihung am 15.10.1980) in den Mummelswiesen, die vom LK DA-DI finanziert wurde. Jetzt war klar, dass bald auch eine große Sporthalle zu diesem Areal gehören würde. Im 2. Bauabschnitt folgte der Bau der Sporthalle, die am 03.12.1982 von Landrat Dr. Franz-Hermann Kappes (Amtszeit 1978-1985) eingeweiht wurde. Kinder vom Schulsport, die Abteilungen Basketball, Handball und Turnen-Leichtathletik sowie die Ringer vom KSV 1904 gestalteten mit Sportbeiträgen den Eröffnungstag der Justin-Wagner-Halle. Der Traum der Handballer ging in Erfüllung. Der komplette Trainings- und Spielbetrieb wird seitdem in Roßdorf ausgetragen.
08.08.1981: Das Sportzentrum der Gemeinde Roßdorf wurde von Bürgermeister Heinrich Kloß eingeweiht. Die Anlage erhielt auch ein Tartansportfeld von 20m*40m; ideal für die Sommerspielfeldrunden und den Trainingsbetrieb.
16.08.1981: Zur Einweihung dieses Platzes wurde die Bundesligamannschaft des TV Großwallstadt (Unterfranken) eingeladen. Die Mannschaft war mit ihren Weltmeistern von 1978, Manfred Freisler und Kurt Klühspieß, nach Roßdorf gekommen. Der Gast gewann 34:18.

11.09.1996: Umbenennung der Halle in Günther-Kreisel-Sporthalle. Günther Kreisel war 1971 Gründungsmitglied und lange Jahre Trainer und Spieler der ersten Mannschaft. Diese Halle in den Mummelswiesen hat einen sehr großen Boom ausgelöst, der jedoch zum Ende der 90-Jahre zu immer mehr Einschränkungen im Spiel- und Trainingsbetrieb führte. Alle Betroffenen waren sich einig, dass diese Engpässe lösbar sind, wenn eine weitere Sporthalle gebaut werden könnte. In der Amtszeit (1997-2003) von Bürgermeister Manfred Pfeiffer – er selbst ist Gründungsmitglied von 1971 und war lange Jahre Spieler der ersten Mannschaft – genehmigten die Gemeindegremien den Bau einer neuen Halle. Der Spatenstich erfolgte im Januar 2003 in unmittelbarer Nähe des Sportzentrums.

In der Saison 2002/2003 wird die 1. Mannschaft, mit Trainer Thomas Hein, Meister der Bezirksoberliga-DA und damit Aufsteiger in die Landesliga Süd, dort spielt si bis zum heutigen Tag. Durch die Zugehörigkeit in der Landesliga und die vielen Spielpaarungen gegen Mannschaften im Umkreis, haben wir in Roßdorf einen sehr hohen Stellenwert erreicht. Dieses hohe Niveau und die ständigen Derbys werden von den Zuschauern honoriert. Die Tribünen bei den Heimspielen in der Günther-Kreisel Halle sind ständig sehr gut besucht. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Abteilung und Förderverein ist die Basis für diesen Erfolg.

11.09.2004: 19 Monate später hat Frau Bürgermeisterin Christel Sprößler (Amtszeit ab 01.10.2003 bis heute) die Halle, die den Namen Zahlwaldhalle trägt, eingeweiht. Vor großer Kulisse wurde am 11. & 12.09.2004 ein umfangreiches Sport- und Kulturprogramm präsentiert. Die erste Mannschaft feierte ihre Premiere auf diesem Hallenboden mit einem Benefizspiel am 15.09.2004 gegen die TSG Groß-Bieberau (2. Handballbundesliga), das Roßdorf mit 21:42 verlor. Der Erlös dieses Spiels und weitere Spenden ergaben eine Summe von 5.610 €, die dem an Knochenkrebs erkrankten Jugendspieler Mischa Blitz übergeben wurden. Diese weitere Halle hat den Trainings- und Sportbetrieb gefestigt und dadurch auch die Entwicklung der Abteilung forciert. Der Aufwärtstrend spiegelte sich bei den Zuschauerzahlen der Heimspiele und in der Mitgliederentwicklung wider. Die Abt. Handball hat mittlerweile die zweithöchste Mitgliederanzahl innerhalb der SKG Roßdorf erreicht und die Stimmung bei den Heimspielen ist kaum mit anderen Vereinen zu vergleichen.

Im Sommer 2016 feierte die Abtl. Handball 90 Jahre Handball in Roßdorf mit einem Feldhandballspiel auf dem Großfeld des Sportzentrums am Zahlwald. Eingebettet war das Ganze in eine Familienaktion der AOK und dem Motto: „Bewegung gegen Krebs“ der deutschen Krebshilfe. Hierfür wurden extra Armbändchen in den Vereinsfarben und unserem legendären Handballspruch: Handball Zick, Handball Zick verkauft. Ein Teil des Erlöses ging an die deutsche Krebshilfe. Dieses Event wurde im Mai 2016 in einer kleinen Feierstunde anlässlich des Gesundheitstages in der Rehberghalle, mit einem hochdotierten Förderpreis des DOSB ausgezeichnet.

Die Saison 2018/2019 läutete dann eine neue Ära in der Geschichte der Handballer in Roßdorf ein. Mit dem TV88 Reinheim gründete man im Aktivenbereich eine Männerspielgemeinschaft- die MSG Roßdorf/Reinheim. Diese Kooperation hat sich als sehr vorteilhaft für beide Vereine herausgestellt. Zumal mal in den unteren Jugendklassen ordentlich Zuwachs bekam. Auch in den sozialen Medien ist man mittlerweile seit vielen Jahren in Wort, Bild und Video auch sehr erfolgreich und auch äußerst kreativ unterwegs.

Die Saison 2019/2020 endete im März 2020 durch die Coronapandemie schneller als erwartet, und alle Spiele wurden daraufhin abgesetzt und der Ligabetrieb eingestellt. Mit den vorgegeben Hygienekonzepten konnte man im Sommer wenigstens mit der Vorbereitung für die Saison 2020/2021 anfangen. Dabei sollte es letztendlich auch bleiben. Der Spielbetrieb wurde Ende September 2020 eingestellt und im Amateursport ist bis dato lahmgelegt. Selbst an eine Rückrunde der Aktiven ist unter diesen Voraussetzungen nicht zu denken.
Es ist sicherlich die schwerste Saison für den Amateursport und den Sport im Allgemeinen, mit vielen Problemen die seit letztem Jahr in vielen Bereichen zu bewältigen sind und einem sportlichen Sinne verlorenen Jahr.

Dennoch haben die letzten 50 Jahre – und das letzte ganz besonders – gezeigt, wie unsere Handballfamilie mit vielen tollen Aktionen in diesen schwierigen Zeiten zusammenhält.
Zusammen werden wir auch diese schwierige Zeit meistern und uns auf weitere 50 Jahre Handball in Roßdorf freuen.
Handball Zick, Handball Zack ….
KS/HS